Auch für Katzen gilt: "Wer rastet, der rostet!"

Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren landesweit. Sie bevölkern nicht nur Bauernhöfe und dörfliche Gärten. Auch auf den Sofas innerstädtischer Wohnungen sind sie immer öfter zu finden. Ihre verschmuste Art macht sie dabei zu beliebten Begleitern unseres Alltags, wenn sie uns nach Feierabend in Beschlag nehmen und sich auf unserem Schoss zum Entspannen einkringeln. Doch gerade das agile Verhalten der Katzen, das im Freien zu beobachten ist, zeigt uns, dass in ihnen mehr schlummert, als uns eine wärmende Decke zu sein. Wenn wir also möchten, dass unser Stubentier ein ausgeglichenes Leben an unserer Seite führt, sollten wir darauf achten, dass wir ihre Bedürfnisse berücksichtigen.

Die Wichtigkeit eines aktiven Katzenlebens—Wie aktiv sind die Samtpfoten wirklich?

Unsere heutigen Hauskatzen waren ursprünglich Wildkatzen, die sich dem Menschen anschlossen, als dieser sesshaft wurde und durch den Ackerbau vermehrt Mäuse und andere Kleinnager anlockte. In den Kornspeichern wurden die vierbeinigen Jäger schließlich so oft angetroffen und wirkten so effizient gegen die kleinen Getreidenascher, dass der Mensch sich entschloss, sie länger an sich zu binden. Ursprünglich sind Katzen also auf der steten Suche nach Beutetieren, auf deren Jagd sie sich mit ihrem ganzen Dasein spezialisiert haben.


Das beinhaltet nicht nur Fähigkeiten zur sensiblen Sinneswahrnehmung, sondern auch einen Bewegungsapparat, der auf ein möglichst anpassungsfähiges Leben in Freiheit ausgerichtet ist. So sind die Wirbelknochen der felinen Wirbelsäule nicht wie beim Menschen unflexibel miteinander verbunden. Die Wirbelsäule, die die Basis des Katzenskeletts darstellt, ist damit ein beweglicher Dreh- und Angelpunkt für die Bewegungsmöglichkeiten der Samtpfoten. Auf schnellen Verfolgungsjagden kommt sie so durch die kleinsten Löcher. Zusätzlich machen ihr ein extremes Sprungvermögen und ihre flexiblen Gelenke den Beuteerfolg auch über große Hindernisse leicht. Dabei hilft ihr auch ihr sehr gut ausgeprägter Gleichgewichtssinn, der sie ohne erhöhtes Sturzrisiko über schmales und unwegsames Terrain führt. Und sollte doch einmal in Sprung danebengehen, wie es gerade jungen Katzenkindern im Übermut passieren kann, so helfen die bewegliche Wirbelsäule und die außergewöhnliche Körperbeherrschung der Katze dabei, sich beim Fallen um die eigene Achse zu drehen. Auch beim Klettern zeigt sich das Sporttalent der Jäger, die Vögeln mühelos in die verzweigtesten Astgabelungen folgen können—ob sie ihn nun erbeuten oder nicht. Denn trotz ihrer beeindruckenden Bewegungsfähigkeiten fehlt der Katze mehr als nur das das Talent zum Fliegen.

Früh übt sich, wer Sportler werden will

Solch ein Bewegungstalent will natürlich auch trainiert sein. Von früh auf zeigt die Katzenmama ihren Babies, wie sie zum Jagderfolg kommen. Spielerisch wird ihnen das Verfolgen, Anschleichen und Fangen beigebracht. So verbinden die Kleinen Bewegung nicht nur mit Freude und Erfolg, auch ihre Muskulatur und ihre Sehnen werden gestärkt. Um Energie zu sammeln, entspannen sie nach einer ausgiebigen Trainingseinheit und verpennen die meiste Zeit des Tages. Ihre erwachsenen Artgenossen stehen ihnen dabei in Nichts nach. Nicht selten sehen wir unsere Katzen dabei, wie sie sich in der Sonne räkeln und die Augen zukneifen. Auch zum Schmusen kommen sie häufig zu uns und drücken ihre Zuneigung zu aus, indem sie sich an uns kuscheln. Vielleicht haben wir deshalb das Bild des faulen Stubentigers im Kopf, der sich so gar nicht bewegen mag.
Aber hierin liegt häufig ein Problem für unsere heutigen Hauskatzen. Nicht nur unsere Wahrnehmung schränkt sie ein, sondern auch die Tatsache, dass sie sich nicht mehr anstrengen müssen, um ihr Futter zu verdienen. Auch wenn ihnen genug Raum zur Bewegung zur Verfügung steht, so sparen sich die Tiere die Energie, weil sie wissen, dass es regelmäßig Nahrung gibt.

Körperliche Probleme durch mangelnde Bewegung: Wer rastet, der rostet.

Auch wenn wir glauben, dass es unseren Lieblingen guttut, nichts zu tun—ganz richtig ist das nicht. Ähnlich wie wir Menschen ist die Katze, wie dargestellt, nicht dazu gemacht, sich nicht zu bewegen. Körperliche Mängel können die Folge sein.

Ein Beispiel hierfür sind chronische Gelenkerkrankungen wie Arthrose. Oft sind die Ellenbogen- und Kniegelenke oder die Hüfte betroffen, ähnlich wie bei uns Menschen. Simpel gesprochen funktionieren die Gelenke der Katze als Federung bei einem Sturz oder bei Sprüngen aus größer Höhe. Die Gelenkfunktion ist hierbei durch eine Art Schmierflüssigkeit geschützt, die durch ihre geleeartige Beschaffenheit die Gelenkknorpel vor übermäßiger Abnutzung schützt. Im Laufe der Jahre wird diese Schmiere immer flüssiger, was zu weniger Schutz der Knorpel beiträgt. Denn je dünner der Schmierfilm, desto eher kann er reißen und zu einem direkten Kontakt der Knorpel führen. uch die Schutzwirkung durch Federung ist entsprechend nicht mehr so groß.

Interessant ist jedoch, dass weniger Bewegung hier nicht vor Schwund oder Verbrauch der Gelenkschmiere schützt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Denn durch Strecken und Beugen der Gelenke wird die Schmiere gebildet. Das heißt also, dass wir unsere Faulpelze selbst zur Bewegung animieren sollten, wenn wir sie vor vorzeitiger Gelenksabnutzung und in der Folge schmerzhaften Gelenksentzündungen schützen möchten.
Solche Probleme werden durch Übergewicht der Katzen, das häufig aus Bewegungsmangel und dem nahrhaften, modernen Industriefutter resultiert, zusätzlich verstärkt. Übergewicht wird bei Katzen auch mit anderen Krankheiten wie Niereninsuffizienz und Diabetes in Verbindung gebracht. Freigänger leiden im Vergleich zu reinen Wohnungskatzen im Übrigen deutlich seltener unter Übergewicht und weisen einen deutlich besseren Fitnesszustand auf. Neben einer Fütterungsumstellung hilft bei Übergewicht und verbundenen Krankheiten folglich viel Bewegung, um den Katzen zu einem sportlicheren Dasein zu verhelfen.

Seelenheil durch körperliche Auslastung

Bei einigen Katzen führt der Bewegungsmangel nicht nur zu körperlichen Schwierigkeiten. Ein aktives und agiles Tier wie die Katze benötigt Bewegung nicht nur, um es körperlich auszulasten. Das Entdecken neuer Räume und die Jagdabenteuer in den Gärten und Höfen der Nachbarschaft stimulieren den Geist der Katze. Durch das Ausleben ihrer natürlichen Triebe bleibt sie stets aufmerksam und interessiert an ihrer Umgebung. Fehlt der Input durch abwechslungsreiche Umweltreize oder die Möglichkeit zur Jagd auf Kleintiere und Vögel, wird die Katze schlichtweg faul. Demotivierte Samtpfoten wirken häufig als hätten sie eine depressive Verstimmung. Der Mangel an Motivation sich neue Räume zu erschließen, lässt sie weniger Interesse an ihrer Umwelt haben. Die Tiere nehmen weniger an sie umgebenden Situationen teil, sind lustlos und bewegen sich weniger. Auch wenn es nicht so wirkt, so leiden sie unter innerem Stress, der sie abstumpfen lässt oder gar in weiteren Verhaltensauffälligkeiten mündet.

Verhaltensauffälligkeiten äußern sich bei Katzen in verschiedener Form. So können sie sich bei einem umgebungsbedingten Unwohlsein zunehmend aggressiv verhalten. Fauchen, Kratzen und Beißen sind die Folge, unter der vor allem im Haushalt lebende Kinder zu leiden haben. Weiterhin kann ihr Verhalten zwanghaft wirken. Beispielsweise läuft sie immer wieder denselben Weg in der Wohnung auf und ab und tigert wortwörtlich umher. Man könnte argumentieren, dass sie sich nun bewegt. Allerdings ist dieses Verhalten nicht normal und versetzt die Katze in zusätzlichen Stress, der sie krank machen kann. Möglich ist auch weiteres unerwünschtes Verhalten wie Markieren der Wohnung. Auch Veränderungen in der Körperpflege, die Katzen gern und ausgiebig betreiben, weisen auf inneres Ungleichgewicht hin. Möglich ist ein Ausbleiben der Fellpflege- Haarverfilzungen und entzündliche Wunden können die Folgen sein. Noch häufiger tritt ein übermäßiges Putzen auf. Die Psychogene Leck-Alopezie zeigt sich dadurch, dass das Tier immer wieder über die selbe Stelle leckt bis diese haarlos erscheint. Die Stellen sind häufig bequem von der Katze zu erreichen, sodass die kahlen Flecken an Bauch und Innenschenkel zu finden sind. Normalerweise treten keine Hautinfektionen auf. Gelegentlich putzt sich der Vierbeiner jedoch so stark, dass sich offene Hautstellen und Wunden eine Eintrittsfläche für Bakterien bilden und es zu einer kleinen Infektion kommt.
Jeder Katzenhalter sollte also stets ein offenes Auge auf das Verhalten seines Lieblings haben. Das Übersehen von kleinen kahlen Stellen kann schnell dazu führen, dass ein anfängliches übermäßiges Putzen zu einem schwer krankhaften Verhalten wird. Immer ist dieses Putzen ein Ausdruck von Unglück, der vom Besitzer ernst genommen werden sollte, um schwerwiegende körperliche Folgen zu vermeiden.

Prävention und Therapie: Sport und Spannung

Auch wenn wir es häufig unterschätzen, so ist Bewegung ein entsprechend nicht unwichtiger Bestandteil des felinen Alltags. Zur körperlichen Gesunderhaltung und für das Seelenheil gilt es für genügend Abwechslung zu sorgen. Das ist am einfachsten durch eine Motivation zur Bewegung. Gehen die Stubentiger nicht von selbst auf Jagd oder haben sie durch Wohnungshaltung nicht die Möglichkeit dazu, können wir sie durch Spiele und eine abwechslungsreiche, katzengerechte Wohnungseinrichtung darin unterstützen, genügend Bewegung zu bekommen.

Katzenbäume, Kletterseile und erhöhte Flächen auf Schränken und Kommoden schaffen eine spannende Umgebung, die durch das gelegentliche Umstellen der Katzenmöbel interessant bleibt. So kann die Katze auf unterschiedlichen Ebenen Beobachtungsposten beziehen und ihre Umwelt beäugen, so wie sie es auch bei der Jagd machen würde.

Zusätzlich können wir sie durch Spielen zur Bewegung motivieren. Manche Katzen springen jedoch nicht gut auf Spielzeuge wie Fellmäuse oder Feder-Angeln an. Sie interessieren sich nicht dafür und ignorieren selbst die ausgiebigsten Bemühungen ihres Menschen, zumindest einmal hinter der Maus herzujagen. Alternativ können wir sie, ähnlich wie in freier Wildbahn, für ihr Futter arbeiten lassen.
Die tägliche Ration Trockenfutter kann eingeteilt und in kleinen Portionen im Haus oder der Wohnung versteckt werden. So wartet der Stubentiger nicht einfach am Futternapf, bis dieser neu befüllt wird. Hat er einmal verstanden, was von ihm verlangt wird, wird er sich auf die Suche machen und sogar Freude an dem Spiel entwickeln. Denn schließlich agiert er hier entsprechend seiner Natur und begibt sich auf Beutezug.
So können zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen werden: Die Katze kommt zu mehr Bewegung und verliert vermeintlich überschüssiges Gewicht. Und auch geistig wird der Vierbeiner ausgelastet. Fehlt die Herausforderung einer Maus minutenlang an einer versteckten Stelle aufzulauern, so ist das Verstecken von Futter ein kniffliges Rätsel, das die Hauskatze mit viel Durchhaltevermögen zu lösen versuchen wird.

Interaktives Spiel gefordert

Gehen die Versteckmöglichkeiten aus oder ist die Wohnung zu klein für abwechslungsreiche Verstecke und weite Wege, sind zum Beispiel Spielbälle, in denen Futter verborgen werden kann, eine weitere Lösung zur Aktivierung. Einfache Bälle mit Öffnungen lassen sich befüllen und über den Boden rollen, um den Jagdtrieb des Vierbeiners anzuregen. Der Nachteil ist jedoch, dass das Trockenfutter herausfällt und sich verteilt. Die Katze muss nicht lange suchen oder dem Ball hinterherrennen, um an ihr Futter zu kommen.
Klassisch gestaltete Spielzeuge regen nicht immer langfristig das Interesse der Katze. Sobald sie verstanden hat, worum es geht, vermindert sich die Neugier. Hier bieten interaktive Spielzeuge Abhilfe. Die Katze wird stärker involviert und zum Benutzen des Spielzeugs angeregt.

Solche Spielzeuge lassen den Tieren die Entscheidungsfreiheit, wann sie spielen möchten und wann nicht. Hinzu kommt, dass sie auf eine natürliche Art und Weise unterhalten werden, die die Neugierde der Katzen befriedigt und sie körperlich auslastet. Beispielsweise können Bälle genutzt werden, die automatisch gesteuert sind. Möglichst nur so groß wie ein potentielles Beutetier, also etwa in der Größe eines Tischtennisballs, lassen sie sich nach einem Aufladen über USB-Stecker anschalten und schon flitzen sie in verschiedenen Modi über den Boden. Dabei sollte der Ball trotz aller eigenständigen Richtungswechsel und möglichen Springens auf die Reaktionen der Katze reagieren. So wird sie besser in das Spiel eingebunden und ihr Jagdtrieb weiterhin animiert.

Hilfreich ist hier auch ein möglichst natürliches Außenmaterial wie Filz oder Wolle. Die Katze kann ihre Krallen nutzen, um den Ball zu fangen. Sie kann ihn wie ein tatsächliches Beutetier behandeln und ihn beispielsweise festhalten.

Optimal ist, wenn der Ball sich nach ein paar Minuten nicht mehr von selbst bewegt und damit eine Art Ruhephase einlegt. Entweder kann sich die fleißige Jägerin ausruhen oder sie sucht selbst proaktiv nach dem Ball. Bei einer Berührung wird sie direkt wieder in das Spiel involviert und kann sich nach Lust und Laune austoben. Sogar Katzen, die wenig Interesse an menschengemachten Spielzeugen haben, lassen sich dadurch zum Spielen motivieren.
Achten sollten Katzenhalter allerdings darauf, dass die Bälle nicht zu laut sind. Nicht nur die Nachbarn könnten genervt sein, auch die geräuschempfindlichen Ohren der Vierbeiner könnten sich gestört fühlen. Im schlimmsten Fall bekommt die Katze Angst und versteckt sich vor dem gut gemeinten Spielzeug. Zu Desinteresse führen allerdings zu glatte Oberflächen wie Plastik, weil die Katze ihr natürliches Jagverhalten nicht ausleben kann. Der Ball flutscht weg, entzieht sich trotz aller Agilität ihrem Fang und stellt damit nach einiger Zeit kein passendes Jagdobjekt mehr dar. Frustriert gibt die Katze schließlich auf und zieht sich auf einen reinen Beobachtungsposten zurück. Dasselbe kann festgestellt werden, wenn der Ball nur langsam durch die Gegend kullert. Ein wirkliches Beutetier würde sich rasant schnell vor der Katze verstecken wollen, um sein Leben zu retten. Ebenso rasant würde sie ihm hinterherjagen und dabei ihr ganzes Bewegungstalent zur Schau stellen.
Erfüllen solche interaktiven Spielzeuge jedoch die grundlegenden Bedingungen wie lange Akkulaufzeit, katzengerechtes Design und abwechslungsreiche, reaktive Modi, so stellen sie eine sehr sinnvolle und motivierende Maßnahme zur Bewegungsoptimierung dar. Unsere Lieblinge sind ausgelastet und können sich nach einer aktiven Spielphase zufrieden zurückziehen.

Fazit

Natürlich können wir die Tiere durch Spielzeuge nicht gesund therapieren. Gerade körperliche Ungleichgewichte sollten von einem tierärztlichen Fachmann begutachtet und entsprechend behandelt werden. Aber wir können als Tierhalter dafür sorgen, dass die Grundbedürfnisse unserer Katze abgedeckt sind. Diese umfassen nicht nur das richtige Futter und ein Dach über dem Kopf. Auch ihre Triebe wie ein Interesse für die Jagd und das Erkunden einer abenteuerlichen Umwelt sollte sie ausleben können. Dies passiert in der Natur vor allem durch Bewegung, weshalb die Katze mit einem solch eindrucksvollen Bewegungsapparat ausgestattet ist. Ihn nutzen zu können, stellt für die Tiere eine instinktive Unabdingbarkeit dar, die wir ihnen nicht absprechen dürfen.
Als Katzenhalter sind wir damit gewissermaßen in der Pflicht für eine ausreichende Auslastung unserer Samtpfoten zu sorgen. Können wir ihnen nicht genug Freilauf anbieten, muss für Abwechslung gesorgt werden, um das körperliche und seelische Heil unserer Tiere zu garantieren. Denn was zu einem gesunden Katzenleben dazu gehört, ist schließlich vor allem eins: Bewegung, Bewegung, Bewegung.

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